Vorösterliche Bräuche

Der Frühling naht und mit ihm die wunderbare Zeit der vorösterlichen Bräuche. Für mich ist diese Zeit nicht nur eine Gelegenheit zur inneren Einkehr, sondern auch eine besondere Zeit des Bastelns, des gemeinsamen Essens und der kleinen Traditionen.

Gemeinsam mit meinen Söhnen basteln wir auch heute noch, obwohl sie mittlerweile schon fast erwachsen sind. Besonders schön ist es, wenn ihre Freundinnen dazukommen und wir gemeinsam kreativ werden. Wir bemalen Ostereier, flechten kleine Osterkörbchen oder gestalten Fensterbilder mit frühlingshaften Motiven. Diese Tradition schätze ich sehr, denn sie verbindet uns und schafft gemeinsame Erinnerungen.

Auch die Essensgewohnheiten ändern sich in dieser Zeit in meiner Familie ein wenig. Wir kochen bewusster, verzichten häufiger auf Fleisch und probieren neue vegetarische Rezepte aus. Besonders beliebt sind dabei frische Frühlingskräuter, die den Gerichten eine besondere Note verleihen. Und natürlich gehört es dazu, die ersten süßen Osterbäckereien vorzubereiten – auch wenn die richtig süßen Sachen erst zu Ostern auf den Tisch kommen.

Ein besonderer Brauch in Wien, den ich immer wieder gerne pflege, ist der Besuch von Fastentüchern. Diese kunstvoll gestalteten Tücher, die in der Fastenzeit die Altäre verdecken, sind beeindruckende Zeugnisse religiöser Kunst. Besonders faszinierend finde ich das große, rote Fastentuch in der Michaelerkirche von Connor Tingley und Peter Savic. Es zeigt das erhöhte Fleisch als Botschaft der Fastenzeit und regt zur Besinnung über Verzicht und Spiritualität an. Sie erinnern an die Bedeutung der Fastenzeit und die 4o Tage, die Jesus in der Wüste verbracht hat.

Darüber hinaus gibt es auch einige Straßenkreuzwege, die in fast jeder Pfarre abgehalten werden. Ein Blick ins Pfarrblatt lohnt sich, um die Termine zu erfahren. Diese Kreuzwege sind eine besondere Form des Innehaltens, eine Gelegenheit zur Andacht und zum gemeinsamen Gebet.

Die vorösterliche Zeit ist für mich eine Mischung aus Tradition, Besinnung und kreativer Freude. Es ist eine Zeit, in der ich nicht nur auf Ostern zugehen, sondern auch bewusster lebe, gestalte und genieße. Halten wir doch gemeinsam inne und seien wir dankbar und demütig.

Petra Riess